Die Charta

Österreich hat sich in internationalen Verträgen im Rahmen der Kyoto-Ziele zur Reduktion seiner CO2 Emissionen verpflichtet. Ein Gutteil der CO2 Emissionen wird durch den stark zunehmenden Straßenverkehr in Österreich verursacht. Kraftstoffe auf Basis nachwachsender Rohstoffe können sehr rasch einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der österreichischen Klimabilanz leisten, weil Pflanzen während ihrer ganzen Wachstumsphase CO2 aufnehmen.

Einwandfreie Herkunft der pflanzlichen Rohstoffe erforderlich

Beim Einsatz von Biotreibstoffen ist auf eine ökologisch und sozial einwandfreie Herkunft der pflanzlichen Rohstoffe, optimale Transportwege und eine umweltgerechte, energieeffiziente Produktion zu achten. Dadurch kann mit heute verfügbarer Technologie eine höchstmögliche Einsparung von klimaschädlichen CO2 Emissionen sichergestellt werden.

Die österreichische Landwirtschaft und die österreichischen Produzenten von Bioethanol stellen die Einhaltung dieser Grundsätze sicher. Sie bekennen sich zudem zu dem ethischen Prinzip, dass die Sicherstellung der Nahrungsmittelversorgung immer Vorrang vor der Kraftstoffproduktion haben muss.

Bioethanol nicht für Agrarpreisanstieg ursächlich

Die Ursachen für eine unzureichende Nahrungsmittelversorgung in einzelnen Ländern der Erde sind grundsätzlich verteilungspolitischer Natur und stehen nicht unmittelbar mit der Herstellung von Bioethanol in Zusammenhang. Denn weltweit werden unter Berücksichtigung der Futtermittelproduktion nur rund 4 % der Getreideproduktion für die Herstellung von Bioethanol verwendet. Allerdings haben die stark gestiegenen Rohstoffpreise in den Jahren 2007 und 2008 diese politisch verursachten Verteilungsprobleme verschärft und offen gelegt.

Die Gründe für den globalen Preisanstieg bei Nahrungsmitteln sind vielschichtig. Mittel- und langfristig betrachtet führt der der steigende Wohlstand in den Emerging Markets, besonders in China und Indien, zu einer Veränderung der Ernährungsgewohnheiten von Millionen von Menschen, weg von vegetarischer Kost hin zu mehr Fleischkonsum. Mehr Nachfrage nach Fleisch bedeutet ein Vielfaches an Futtermitteln, denn für die Produktion von 1 kg Fleisch sind je nach Art zwischen 2 und 8 kg Futter (großteils Getreide und Soja) notwendig.

Hinzu kommen kurzfristige Faktoren, wie zum Beispiel wetterbedingte Missernten im Jahr 2007. Steigende Nachfrage bei geringerem Angebot bedeutet Preissteigerungen. Dieser Aufwärtstrend wird durch internationales Spekulationskapital noch verstärkt. Aufgrund der Krise der internationalen Finanzmärkte flossen 2007|08 über hundert Milliarden Dollar spekulatives Kapital von den Aktien- in die Rohstoffmärkte und lösten damit eine beispiellose Spekulationswelle aus.

Auch die Getreidepreishausse 2010|11 ist vor allem auf diese drei Faktoren zurückzuführen.

Der "österreichische Weg"

Österreich hat ausreichend agrarische Rohstoffe zur Verfügung, um die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung und die Nachfrage der Industrie abzudecken. Dies gilt auch bei einem erhöhten Rohstoffbedarf durch Biokraftstoff-Produktionsanlagen zur Erreichung des 10 %-Beimengungszieles. Produktionssteigerungen erfolgen durch den Wegfall der von der EU verordneten Flächenstilllegung, das Freiwerden von Zuckerrüben-Anbauflächen im Zuge der EU-Zuckermarktreform und die intensivere Nutzung bestehender Ressourcen. Für die österreichische Biokraftstoffversorgung werden keine Wälder für neue Anbauflächen, in Österreich oder anderswo auf der Welt, gerodet und keine Rohstoffe aus ökologisch bedenklichen Quellen importiert. Darüber hinaus stellt die Europäische Union mit der Einführung von Nachhaltigkeitskriterien für die Biokraftstoffproduktion sicher, dass Biokraftstoffe in Europa unter ökologisch sinnvollen Rahmenbedingungen produziert werden.

Gesetzliche Rahmenbedingungen der Bioethanol Produktion in der EU
Am 26. März 2009 wurde die endgültige Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates zur Förderung der Nutzung von Energie aus erneuerbaren Quellen beschlossen. Sie enthält folgende Zielwerte bis zum Jahr 2020:

  • 20% weniger Treibhausgasemissionen
  • 20%- Anteil erneuerbarer Energie, wobei 10% der Kraftstoffe aus erneuerbaren Quellen stammen müssen.

Daneben muss gemäß dieser Richtlinie die Treibhausgaseinsparung durch Biokraftstoffe über deren Lebenszyklus berechnet mindestens 35% betragen. Ab dem 1. Januar 2017 müssen Einsparungen von 50% und bei Anlagen, die ihre Produktion nach diesem Stichtag aufnehmen, Einsparungen von mindestens 60% erzielt werden.

Weiters dürfen Rohstoffe für die Bioethanol-Erzeugung nicht von Flächen mit hoher Biodiversität (zB. Regenwäldern) stammen und müssen eine lückenlose Dokumentation über ihre Herkunft aufweisen. 

Bioethanol aus Österreich: Klar positive Klima- & Energiebilanz

Österreichisches Bioethanol aus nachwachsenden heimischen Rohstoffen zur Benzinbeimischung und Nutzung im neuen, umweltfreundlichen Kraftstoff SuperEthanol E85 weist nach Berechnungen des Grazer Joanneum Research Center sowohl eine günstige Energie- als auch Treibhausgasbilanz auf.

  • Energiebilanz
    Die Energiebilanz der AGRANA Bioethanolanlage Pischelsdorf zeigt, dass aus einer Einheit eingesetzter Energie beinahe drei Einheiten erneuerbare Energie aus Bioethanol erzeugt werden können.
  • Treibhausgasbilanz
    Die Treibhausgasbilanz für in der AGRANA Anlage in Pischelsdorf erzeugtes Bioethanol zeigt, dass dieses über den gesamten Lebenszyklus, vom Anbau der Rohstoffe und deren Düngung, Transport und Verarbeitung sowie der Bereitstellung und der Verbrennung des Kraftstoffes im Motor, berechnet, rund 50% an Treibhausgasen gegenüber Benzin einspart.
    Zudem wird in Österreich bei der Bioethanol-Herstellung das hochwertige Eiweißfuttermittel „ActiProt" gewonnen, das transport- und energieintensive Soja-Importe aus Übersee ersetzt und dort Produktionsflächen für menschliche Ernährung freisetzt.

In Pischelsdorf erzeugtes Bioethanols entspricht damit bereits heute der von der EU für das Jahr 2017 geforderten Treibhausgaseinsparung von 50% gegenüber fossilen Treibstoffen.

Die derzeitige unsachliche und oberflächliche Polemik über Biokraftstoffe sollte daher rasch einer auf die österreichischen Verhältnisse Bezug nehmenden, faktenbezogenen Auseinandersetzung weichen. Neben den zentralen ökologischen, sozialen und agrarwirtschaftlichen Aspekten sollte dabei auch der volkswirtschaftliche Nutzen der Biokraftstoffproduktion in Österreich berücksichtigt werden.